Der Ort mit den Lords.

Die Gemeinde Bellheim ist Namensgeber der Verbandsgemeinde und mit ca. 8.600 Einwohnern und einer Flächenausdehnung von ca. 20,5 km² größte der vier Ortsgemeinden.

Erste urkundliche Erwähnungen finden sich im Lorscher Codex aus dem Jahr 774. Aber schon davor haben die Römer ihre Spuren hinterlassen, was im 18. Jahrhundert in der Oberen Hauptstraße gefundene römische Sarkophage belegen. Durch die Gemarkung führt zudem in nord-südlicher Richtung die ehemalige Via Rhenana – eine bedeutende Straße der Römer, die Straßburg mit Xanten verband. Heute erinnert der Verlauf der B 9 an diese einstige Magistrale.

Im 19. und vor allem 20. Jh. spielte der Tabakanbau eine vorrangige Rolle, woran viele der markanten Tabakstadel (schmale hohe Holzscheunen mit Statteldach, in denen die Tabakblätter getrocknet wurden) erinnern, die man immer wieder im Ortsbild findet. Bis heute gibt es Tabakanbau in der Region.

Bellheim, oder "Bellem“, wie Leute hier sagen, ist eine prosperierende Wohn- und Gewerbegemeinde, deren landwirtschaftliche Prägung bis heute lebendig ist. Die reichen Böden bringen gute Erträge, die in den kleinen Hofläden feldfrisch zum Verkauf angeboten werden.

Bellheim verfügt über medizinische Einrichtungen wie Ärzte, Physiotherapeuten und Apotheken. Gute Einkaufsmöglichkeiten, Post- und Bankdienstleistungen bietet der Ortskern rund um die Hauptstraße und die Hintere Straße ebenso wie das nordöstlich gelegene Gewerbegebiet „In der Fellach“.

Wichtiger Arbeitgeber ist die Park & Bellheimer Brauerei AG. 1865 von Johann-Karl Silbernagel gegründet, haben die verschiedenen Biere sowie die angebotenen Softgetränke und das Wasser Bellaris, das aus eigenen Tiefbrunnen gefördert wird, einen guten regionalen Ruf. Weiterer wichtiger Arbeitgeber ist die Kardex (Lager- und Bereitstellungssysteme).

zwei der Bellheimer Lords
zwei der Bellheimer Lords © VG Bellheim

 

Mit Bellheim ebenfalls untrennbar verbunden ist der „Bellheimer Lord“. Das markante Maskottchen der Bellheimer Brauerei  mit Melone und Monokel sieht man nicht nur auf den Etiketten der grünen Bierflaschen. Jedes Jahr, immer am zweiten Wochenende im Oktober, wird auch ein honoriger Bellheimer auf dem Bockbierfest am Vorabend der Bellemer Kerwe zum Bellheimer Lord gekürt. Der offiziellen Bekanntgabe geht ein großes Spektakel vorweg. Bis zum Schluss wird strengstens geheim gehalten, wer diese Aufgabe für ein Jahr übernimmt.
Die ehemaligen Lords haben sich als Bellheimer Lordclub zusammengeschlossen. Sie repräsentieren den Ort bei offiziellen Anlässen und organisieren Veranstaltungen im öffentlichen Leben. 

Wer über „Bellem“ spricht, darf den „Bellemer Heiner“ nicht vergessen. August Heinrich wurde als 8. Kind eines Gastwirts und Krämers 1881 in Bellheim geboren und ist der berühmteste Sohn des Ortes. Nach Stationen in Frankreich und den USA kam er zurück nach Deutschland. Er lebte in Berlin und Köln, zog letztlich aber zurück in seine Heimatgemeinde. Ihr blieb er als Autor und Mundartdichter bis zu seinem Tod 1965 treu. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Bellheim.

Sehenswert in Bellheim:

  • Bürgerhaus, schönes, restauriertes Fachwerkhaus mit Veranstaltungsräumen der Gemeinde Bellheim, Hauptstraße 140
  • Kulturwerkstatt „Alter Kindergarten“, Kulturstätte des Kulturvereins Bellheim e.V., Karl-Silbernagel-Straße 20 a
  • „Altes Sägewerk/ Mittelmühle“, die älteste Mühle des Ortes von 1768 ist Industriemuseum mit Ausstellungsräumen und Kulturstätte des Kulturvereins Bellheim e.V.
  • Restaurierte Schanze, Zeugnis der Queichlinie aus dem 18.Jh., Ecke Mittelmühlstraße/Linienstraße
  • Kath. Kirche St. Nikolaus mit Figuren von Gottfried Renn, der Turm geht zurück auf das 15. Jh. , ansonsten neugotische Hallenkirche aus dem 19. Jh., Große Kirchstraße 1
  • Ev. Kirche, neugotischer Backsteinsaal von 1870-72, Hauptstraße 112
  • Wüstung Friedrichsbühl, ehemaliges Jagdschloss des Kurfürsten, 1550 erbaut im 30jährigen Krieg bereits zerstört, heute sind nur noch Reste der Anlage erhalten, Elwetritschen-Aussichtsplattform im Wald nördlich von Bellheim
  • Spiegelbachpark Bellheim im Zentrum von Bellheim
  • Denkmalgeschützter Wasserturm der Fortmühle, 20. Jh., Fortmühlstraße 18
  • Fortmühle, ehemals Getreidemühle von 1768, sie beherbergt heute eine der letzten Emaille-Fabriken, Fa. Ernst Schmitt GmbH, Fortmühlstraße 18
  • Obermühle, betrieben ab 1779, Obermühlstraße
  • Wappenschmiedmühle, Hammerschmiede ab 1836
  • Sternwarte, seit 2001, Zeiskamer Straße, nähe Schwimmpark
  • Brauerei Johann-Karl Silbernagel ab 1865, heute Park & Bellheimer Brauerei AG, Karl-Silbernagel-Straße 20 – 22
  • Festhalle, Veranstaltungshalle von Bellheim, Neubau von 2015 – 2017 mit Platz für ca. 440 Gäste, Zeiskamer Straße 64